
Politischer Antrag an die Bezirksvertretung Mitte für einen Feldversuch zur Errichtung eines Thermalwasserbadebrunnens (Wärm Komp II)
im Burtscheider Kurgarten


Bürgerstiftung Lebensraum Aachen // Initiative Wärm Komp
In der Frankenburg; Goffartstr. 45, 52066 Aachen Tel. 0241 45 0 130
Aachen, den 21.05.2026
Ansprechpartner: Dipl. Geol. U. Lieser (Bürgerstiftung) (u. lieser@web.de)
An dem Antrag haben mitgewirkt: Prof. Dr. Anke Fissabre, M.A. Steffen Eul, (FH Aachen); Dr. Klaus-Peter Otto (Stadtteilkonferenz/ AWO Stadt Aachen); Michael Prömpeler Gesellschaft Burtscheid; Reiner Nerlich (Seniorenrat), Till Schüler (im Auftrag der Kur- und Badegesellschaft) und beteiligte Bürger:innen: Jürgen Burmeister, Raimund Klauser, Lothar Krohn, Hannah Nowak, Harald Schröder, Adelheid Siebigs
Vorbemerkungen
In der Rosenquelle Burtscheid werden derzeit ca. 13.9 m³/h Thermalwasser mit einer Temperatur von 63 Grad C gefördert. Davon gehen ca. 3,7 m³/h in die Parkterrassen und werden dort energetisch genutzt. Eine geringe Menge beheizt die Sitzbank vor dem Quellgebäude bzw. fließt an dem Quellgebäude aus. Das nicht genutzte Thermalwasser wird in den Kanal abgeschlagen. Eine Rohrleitung, die quer durch den Kurgarten zu der Reha-Klinik an der Rosenquelle führt, belieferte früher die Kurklinik an der Rosenquelle.
Die Thermalwasserrechte der Rosenquelle liegen bei der Stadt Aachen. Eine vertragliche Bindung zur Thermalwassernutzung mit dem Betreiber der „Kurklinik an der Rosenquelle“, Vialife, wurde seitens Vialife 2025 gekündigt.
Das frei gewordene Thermalwasser möchte die Initiative Wärm Komp nutzen.
Eine Wärmeauskopplung und Nutzung der überschüssigen Wärme wäre sinnvoll und wahrscheinlich auch wirtschaftlich. Hierzu gibt es nur eine grobe Vorberechnung und noch keine belastbare Aussage.
In einem nicht öffentlichen Feldversuch im Kurgarten Burtscheid mit einem begrenzten, instruierten Testpersonenkreis (Testkollektiv) sollen unter Aufsicht und wissenschaftlicher Begleitung hygienische und technische Fragestellungen zum Betrieb eines verstetigten Thermalbadebrunnens Wärm Komp II geklärt werden. Zudem soll hierbei Öffentlichkeitsarbeit geleistet werden.
Die Organisation des Versuchs erfolgt über die Initiative Wärm Komp. Es werden verschiedene Betriebszustände und Techniken erprobt und unterschiedlich definierte Hygienebedingungen eingestellt.
Einzelne Elemente des Testbrunnens könnten im Falle einer Verstetigung weiterverwendet werden. Die Planung der Technik erfolgt extern.
Antrag
Die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen als Vertreterin der Initiative Wärm Komp stellt folgenden politischen Antrag:
Wir beantragen voraussichtlich ab Herbst 2027 für die Dauer von 2 Jahren, das nicht genutzte Thermalwasser aus der Rosenquelle Burtscheid sowie eine durch die Stadt Aachen zur Verfügung gestellte Fläche von 100 m² im oder am Kurgarten Burtscheid kostenfrei nutzen zu dürfen.
Der durch die Initiative Wärm Komp durchgeführte Feldversuch soll durch die Stadt Aachen insbesondere von den Abteilungen Gebäudemanagement (Bereitstellung Thermalwasser, Strom, Trinkwasser), Denkmalpflege, Parkverwaltung und Stadtplanung (Festlegung eines geeigneten Orts) unterstützt werden.
Die StAWAG soll über den Planungsausschuss aufgefordert werden, eine Wärmeauskopplung und die Einspeisung der Wärme in das Fernwärmenetz oder in ein Nahwärmenetz technisch und wirtschaftlich zu prüfen.
Die Kosten für den Versuch versucht die Bürgerstiftung Lebensraum Aachen über Anträge an geeignete Fördergeber (NRW-Stiftung, KoMoNa, Sto-Stiftung) und privaten Sponsoren im Jahr 2026 und 2027 einzuwerben. Das Votum der Bezirksvertretung Mitte ist möglichst zeitnah wegen Einwerbung der Fördermittel erforderlich.
1. Hintergrund
Thermalwasser in Burtscheid - eine vernachlässigte Ressource
Die Quellen in Aachen-Burtscheid fördern Thermalwasser bis zu 72° C mit einer Menge von 77.000 l pro Stunde. Sie waren über 2 Jahrtausende von großer Bedeutung für das Kur- und Badewesen Burtscheids. Thermalwasser ist heute aus der Landesbad- und Schwertbadquelle (im Besitz Schwerbad / Inoges AG) und der Rosenquelle (Besitz der Stadt) verfügbar.
Zudem ist in Burtscheid heute neben der energetischen Nutzung durch die STAWAG nur noch an drei
Stellen Thermalwasser eingeschränkt sichtbar und erlebbar:
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Schwimmbad der Reha-Klinik Schwertbad (nur gegen Bezahlung oder im Rahmen einer Reha eingeschränkt zugänglich)
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Burtscheider Markbrunnen (fließendes Thermalwasser)
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Quellgebäude der Rosenquelle im Kurgarten (tröpfelnd, Sinterstein)
Seitens der Stadt Aachen wurden im Zuge der Neuplanung des Kur- und Reha-Standortes Burtscheid bereits erhebliche Vorarbeiten in Form einer Machbarkeitsstudie zur Bachoffenlegung/ Thermalwassernutzung (RHA 2021), eines Werkstattverfahrens zur Perspektive des Kur- und Reha-Standortes (2024) und der Erstellung eines Parkpflegewerks (2026 in Arbeit) geleistet.
Initiative Wärm Komp: bürgerschaftliches Engagement mit Erfahrung
Unter dem Dach der Bürgerstiftung Lebensraum befassen sich sachkundige Bürger:innen und Expert:innen seit 2007 mit der Thermalwasserroute in der Innenstadt und Burtscheid (siehe https://thermalquellen-aachen.de/ ). Die historische Aufbereitung der durch Sponsoren geförderten Erneuerung der Rosenquelle etc. gehen auf diese Gruppe zurück.
2023 entstand die Idee, Thermalwasser wieder öffentlich zugänglich zu machen. Im Rahmen der Arbeitsgruppe „Bach offenlegen - Thermalwasser nutzen“ der Stadtteilkonferenz Burtscheid (https://www.stadtteilkonferenz-burtscheid.de/arbeitskreise/bach-offenlegen-thermalwasser-nutzen.html) wurde das Thema öffentlich diskutiert. Die Erfahrungen aus dem Vorbild der öffentlichen Nutzung des Thermalwassers in der Schweiz wurden basierend auf einem intensiven Austausch mit den Schweizer Akteur:innen auf Burtscheid übertragen.
Im Rahmen der Initiative entwickelte die Fachhochschule Aachen, Fachbereich Architektur (Prof. Anke Fissabre, Steffen Eul, Cathrin Simon) mit Studierenden konkrete Pläne von Thermalwasserbrunnen und bauten den ersten Wärm Komp an der Rosenquelle. Die Erfahrungen aus dem Pop-up-Versuch sind unter https://www.waermkomp.jetzt/bericht einsehbar (weitere Materialien mit links finden Sie im Anhang).
2. Ziele
Thermalwasser in Burtscheid - eine vernachlässigte Ressource
Das übergeordnete Ziel der Initiative Wärm Komp ist die Erlebbarkeit des Thermalwassers im öffentlichen Raum in Burtscheid.
Die Thermalquellen sollen wieder zum zentralen Element des Kur- und Badestandortes Burtscheid werden. Es gilt, die naturwissenschaftlichen Grundlagen zu vermitteln und die historische und ökonomische Relevanz des Thermalwassers aufzuzeigen und die sensitive Wahrnehmung wieder herzustellen.
Mögliche Standorte und Planungen mit Thermalwasserbezug (Thermalwasser[route] Burtscheid (s. Anlage 1)) sind in der Anlage synoptisch dargestellt. Die Ideen und Standorte resultieren aus Befragungen von Burtscheider Bürgern und einem Seminar der FH Aachen (Design Build 4.0). Die aufgeführten Punkte könnten nach Abstimmung und Diskussion und detaillierter Planung im Lauf der nächsten Jahre bei entsprechender Gelegenheit relativ einfach umgesetzt werden.
Der Wärm Komp geht als Thermalbadebrunnen über die bisher gemachten Vorschläge z.B. aus RHA (2021) hinaus. Wie im Beispielprojekt in Baden (CH) (s. Abb. 1) soll das freie und offene Baden in möglichst naturbelassenem Thermalwasser in Burtscheid realisiert werden.
3. Vorarbeiten zum neuen Reallabor Wärm Komp II
Im Reallabor Wärm Komp I wurde 2024 nachgewiesen, dass ein Badeangebot in natürlichen Thermalwasser mit großer Begeisterung angenommen wurde. Die Probleme der Keimbelastung in dem ersten Popup-Thermalbadebrunnen am Fontainenbrunnen haben gezeigt, dass die technische Ausführung in Richtung Hygiene und Gestaltungen des Brunnens verbessert werden muss. Daher umfassen die weiteren Überlegungen zur Verstetigung eines Thermalbadebrunnens insbesondere den hygienischen Betrieb.
Initiative Wärm Komp: bürgerschaftliches Engagement mit Erfahrung
Im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie der FH Aachen wurden im Jahr 2025 und 2026 Untersuchungen zur Keimfreiheit durch die Arbeitsgruppe Bioverfahrenstechnik (BVT) unter der Leitung von Prof. Dr. Tippkötter, Simone Krafft und Fabian Moll durchgeführt. In den Laboruntersuchungen wurde gezeigt, dass es möglich ist, mit überschaubarem Aufwand (Einsatz von Thermodesinfektion und UV) die Keimzahlen in einem kontinuierlich betriebenen Thermalbadebrunnen so zu begrenzen, dass die hygienischen Anforderungen erfüllbar sind. Dieser Meinung schloss sich in der Diskussion während der Vorstellung der Ergebnisse am 17.11.2025 und am 12.03.2026 auch das Gesundheitsamt der StädteRegion Aachen an (vgl. Anlage 1).
Wärmeauskoppelung aus dem Thermalwasser
Nach Diskussion mit Vertretern der Ingenieurbüros INCO und BET ist es unklar, ob die Auskoppelung von Wärme von 63 Grad auf Badetemperatur von 40 Grad C wirtschaftlich betrieben werden kann. Für eine Einspeisung in das Fernwärmenetz sind die Temperaturen zu gering und die Wärmemenge (max. 200 KW) relativ klein. Erfolgversprechender wäre eine Nutzung in einem energetisch neu zu konzeptionierenden alten Gebäudekomplex oder einem Neubau. Eine belastbare Aussage durch die StAWAG sollte eingeholt werden.
4. Langfristiger Ausblick: Verstetigter Brunnen im Umfeld des Couvenpavillons.
Wärm Komp und seine Einbindung in Burtscheid
Im Sommersemester 2025 wurde im Rahmen des Seminars Design Build 3.0, Fachbereich Architektur der FH Aachen der Standort im nördlichen Bereich des Kurgartens unter der Wiederbelebung der ehemals vorhandenen Sichtachsen zum Couvenpavillon für einen neuen (verstetigten sowie temporären) Thermalbadebrunnen untersucht (s. Abb. 2) . An diesem Standort könnte das Thermalwasser der Rosenquelle aus der nicht mehr von der „Reha-Klinik an der Rosenquelle“ genutzten Thermalwasserleitung umgeleitet werden.
Die Gestaltungsvorschläge sind hier zu finden: https://www.waermkomp.jetzt/designbuild3-0.
Es wurden Perspektiven aufgezeigt, wie eine Dauerlösung eines Thermalbadebrunnens aussehen könnte. Im Burtscheider Kurgarten wurden die Entwürfe der FH-Architekturstudierenden im Sommer 2025 präsentiert. Prämiert wurde der Entwurf von Mara Brandt und Silvan Coir (https://www.waermkomp.jetzt/portfolio-collections/my-portfolio/rund-um-die-quelle).
Der Entwurf zeigt zwei Thermalbadebrunnen und einen Bereich für Dusche und Umkleide entlang der Sichtachse, die in der ursprünglichen Parkplanung der Nachkriegszeit den Couvenpavillon in den Kurgarten eingebunden hat.
Abb. 3: Thermalbadebrunnen (Entwurf von Mara Brandt und Silvan Coir)
Zudem soll die endgültige Lage im Kurgarten Burtscheid in dem gegenwärtig zu erstellenden Parkpflegewerk festgelegt werden. Zur Begründung von Thermalwasserbrunnen und von Thermalwassertrinkbrunnen im Kurgarten von Burtscheid wurde seitens Frau Prof. Fissabre und Herrn Steffen Eul eine Stellungnahme zum Parkpflegewerk verfasst, auf einem Termin am 19.03.2026 den Verfassern des Parkpflegewerks vorgestellt und im Nachgang des Termins überarbeitet (vgl. Anlage 3).
Im Wintersemester 2025/26 wurde im Seminar Design Build 4.0 der Schwerpunkt auf das Sichtbarmachen des Thermalwassers in Rahmen einer Thermalwasserroute gelegt. Die Strategiekarte enthält viele Anregungen, die in einer Karte textlich und lagemäßig dargestellt sind (vgl. Anlage 1).
Initiative Wärm Komp Mai 2026
Anlage 1: Thermalwasser[route] Burtscheid
Anlage 2: Protokoll der Besprechung am 12.03.2026 mit dem Gesundheitsamt
Anlage 3: Stellungnahme der Initiative Wärm Komp zum Parkpflegewerk
Anlage 4: Links zu den Webseiten
Initiative Wärm Komp
Anlage 1: Thermalwasser[route] Burtscheid
